Queer: es geht auch einfach

Manche Sachen, über die schreibt man einfach nicht, weil sie nicht wirklich einen ganzen Blogbeitrag liefern. Sondern eher so tweetlänge haben und dann vergesse ich das zu tun oder so. Aber es gab eben in letzter Zeit wieder Situationen wo ich mir dachte, ah das solltest du schreiben. Und dann vergesse ich das wieder. Und dann gibt es wieder die Situation, die mich daran erinnert, dass es doch sinnvoll ist darüber zu schreiben. Denn auch wenn meine Leser überwiegend zur queerlinken Bevölkerung gehören gilt das eben nicht für jede_n den/der ich begegne. 

So erzählte ich vorgestern, dass ich auf der Pride in Zürich war und musste dann erstmal erklären was das ist. Oha. 

Aber bei der derzeitigen politischen Lage möchte ich die kleinen positiven Dinge berichten, nicht, dass die Person der ich da erklären musste dass die Frage nach einer geschlechtsangleichenden OP indiskret ist. 

Also es geht auch einfach!

Zum Beispiel im Schwimmunterricht vom Frühlingskind. Das hat neben dem Schwimmunterricht der im Kindergarten stattfindet (wo es mit den anderen Jungs in die Umkleide darf und dort die Kabine nutzen darf) auch noch Schwimmunterricht der etwas mehr ist als das von der Schule angebotene. 

Der findet in einem normalen Hallenbad statt, wo es die individuellen Umkleiden gibt, die Duschen aber geschlechtsgetrennt sind. Immerhin gibt es in der Damendusche auch Kabinen – ich vermute bei den Männern auch, da war ich nur nie drin. Im jetzigen Unterricht gehen alle Kinder unabhängig vom Geschlecht mit den Schwimmlehrerinnen durch die Damendusche (weil alle noch so klein sind)

Situation: wir warten am Treffpunkt. Es gibt eine neue Lehrerin. Sie kennt die Kinder also noch nicht. Guckt das Frühlingskind an fragt “und du bist der?” (ok, man könnte natürlich das “der” weglassen -weil ja damit das Geschlecht impliziert ist). Das Frühlingskind antwortet mit dem neuen Namen. Lehrerin guckt irritiert auf die Liste. Ich erkläre, dass da vermutlich noch der alte Name drauf steht. Sie stutzt nicht einmal streicht den Namen durch, schreibt den neuen dazu. Fertig. OK in der Woche drauf hatte sie nochmal den alten Namen auf der Liste, meinte dann, dass sie das im Büro nochmal angibt. Aber gut. Sonst keine weiteren Fragen oder Irritationen. 

Im Unterricht wird ganz selbstverständlich der neue Name verwendet. Ende. 

 

Das andere Beispiel ist das “was sollen denn die Kinder denken?” 

Ich habe mich mit einer anderen Teilnehmerin vom Eltern-Kind-Turnen unterhalten. Ihr Kind ist in einer anderen Gruppe vom Kindergarten und fährt wohl ab und zu mit dem Frühlingskind Bus. 

Anfang des Schuljahres meinte das Kind wohl: “da ist ein Junge im Kindergarten, der [alter Name] heisst und ab und zu Mädchensachen trägt.”

Mutter meinte daraufhin wohl, “na wenn er diesen Namen hat, ist er wohl ein Mädchen” (ich vermute sie hat die weibliche Variante verwendet)

Kind: “nein, das ist ein Junge, das sieht man doch!”

Mutter: …

Jetzt hat sie mich eben darauf angesprochen, weil ihr Kind wieder mit dem Frühlingskind im Bus gefahren ist. Es hat ihr erzählt, dass das Frühlingskind jetzt anders heisst, ob das jetzt offiziell ist. Das konnte ich dann bestätigen. 

Das Kind hat es also einfach hingenommen. Es war halt einfach ein Junge mit Mädchennamen, der ab und zu Mädchensachen trägt. Und jetzt stimmt halt auch der Name. (und das Frühlingskind hat wieder ein Sommerkleid geordert 😉 – Kleidung hat kein Geschlecht)

Montagsherz

zugegeben, es ist schon Mittwoch. Da aber die Schwiegereltern, die mir dieses Herz gespendet haben (vermutlich) nicht auf Instagram unterwegs sind, möchte ich es der Vollständigkeit halber doch hier noch kurz einfügen. Ich kann es ja vordatieren 😉 

Mehr Herzen gibt es wie immer bei Frau Waldspecht

#12von12 im Juni 2018

Gestern war der 12. Juni und ich habe wieder auf Instagram mitgemacht. Weil es am Ende dann wieder zu spät war, gibt es den Blogpost halt erst heute. Weitere 12von12 findet ihr auf dem Kännchenblog. Beschreibungen zu den Bildern beim draufklicken. 

 

Montagsherz

Ich war gestern tatsächlich auf Fototour in Zürich. Und während ich eigentlich auf der Suche nach Wassermotiven war, durften die Herzen für Frau Waldspecht dann doch nicht fehlen. Ich wünsche euch eine schöne Woche. 

 

genäht: Mittelalterliches Kleid oder so

Die Cosplayer kennen es vermutlich. Da hat man eine Veranstaltung bis zu der man unbedingt das Kostüm fertig haben soll. Man fängt viel zu spät an und nimmt es dann halt entweder dorthin mit, oder eben erst ein Jahr später. Dieses hier ist zwar kein Cosplay, es sei denn man sieht MA-Marktbesuche in halbwegs passender Gewandung als Cosplay an und mein erstes/letztes Cosplay war ja eher ein “ich kaufe mir moderne Kleidung und nähe eine Tasche dazu” Aber hey. Das hier war eine lange Geburt. Denn schon vor 1,5 Jahren hatte ich diesen Stoff auf einem Markt gefunden. 

Es ist Wolle. Jetzt trage ich normalerweise eher selten Wolle, ich bin zwar nicht super allergisch drauf, wie meine Schwester, aber meistens kratzt sie. Dieser Stoff kratzt mich (fast) nicht. Er ist ziemlich dünn, fällt wunderschön und hat einen tollen Glanz, den ich auf dem Bild versucht habe einzufangen, dafür ist die Farbe nicht ganz richtig rausgekommen. Es ist dunkelblau mit einem schwarzen Schuss oder andersum (ich habe keine Ahnung vom Weben) Auf jeden Fall Dunkelblau/Schwarz.
Da ich nicht genau wusste, was für Kleid es wird und wie und so, habe ich mit der Händlerin überlegt und sie meinte 2,5 m würden reichen. Das machte mich zwar etwas stutzig – ich habe bisher immer fröhlich 3,5 – 4 m für ein Kleid für mich gerechnet), aber der Stoff hatte einen stolzen Preis und ich glaubte der Händlerin, dass das geht. 
Ich habe den Stoff gestreichelt und aus Gewohnheit erstmal doch vorsichtig gewaschen. Danach war er nicht mehr ganz so unkratzig, aber noch immer weicher als alle anderen Wollstoffe, die ich bisher in den Händen hatte. Dann landete er im Schrank, es kamen 52 bzw. mehr andere Nähprojekte dazwischen. Der Mittelatermarkt Hinwil letztes Jahr und der in Winterthur letztes Jahr und so weiter kamen und gingen und ich zog meine alten Kleider an. Teils, weil halt, teils, weil ich mein erstes Unterkleid zum Stillen auch zerschnitten hatte und so. Jetzt stille ich nicht mehr (3 Jahre und 3 Monate haben mir dann doch gereicht) und jetzt wurde es echt Zeit, dass ich meinen schönen Stoff mal vernähe und auch noch ein neues Unterkleid mache, weil das alte ist ja zerschnitten und ausserdem war es eines der ersten ganz allein selbstgenähten Teile und entsprechend grottig. Nicht, dass mich das davon abgehalten hat es 12 Jahre lang zu nutzen. 

Für das neue Unterkleid hatte ich einen weissen Leinenstoff gefunden, super dünn und auch schön weich, der sich auch noch blöd verzogen hat. Den Schnitt habe ich selbst gebastelt und das hat mich erstmal zeitlich schon zurück geworfen und mir klar gemacht, dass ich das doch lieber den Profis überlasse. Aber auch dieses Kleid wird seinen Zweck erfüllen und ist besser als das alte Baumwolldings. 

Für das Überkleid habe ich mich dann eben doch auf das Burda-Schnittmuster gestützt, aber die Schnürung nach vorne genommen, statt wie vorgesehen hinten. Ich machte sogar noch ein schnelles Probekleid um zu gucken ob das passt. Wobei schnell auch etwas übertrieben ist. denn auch das hat Zeit gefressen. 

Und dann kam der Moment, an dem ich die Schnittmusterteile auf den Stoff gelegt habe, und es hat einfach nicht gepasst, schon gar nicht so, wie es laut Schnittmusterplan gehen soltle. Also ging es ans Stückeln, bis ich hier angekommen war. 

Ich postete das Bild in einer Nähgruppe auf FB. Nach dem Motto, “meh es geht um die Nahtzugabe nicht wirklich auf. Ich trau mich nicht den Stoff anzuschneiden”. Statt aufmunternder Worte (ok die gabs auch) erhielt ich die hilfreichen Tipps: “mach doch erst ein Probekleid”. “Bist du dir sicher, dass der Stoff keine Richtung hat, nicht, dass vorne und hinten dann unterschiedlich sind” “Mach was anderes” Mach ein Kleid ohne Ärmel”

Nachdem ich mich aber selten an Ansagen aus dem Internet halte, zumindest in der Meinungsumfrage, habe ich dann doch die Schere genommen und geschnitten. Und genäht. Und weil der Markt ja schon 2 Tage später war, habe ich es eilig gehabt und E. und die Kinder vernachlässigt und wurde unvorsichtig und habe es tatsächlich geschafft mir in die Fingerkuppe zu nähen. Also mit der Nähmaschine. Denn Mittelalter hin oder her, ich mache das nicht von Hand. Ich mach kein Reenactment, sondern besuche Märkte oder helfe dort aus, da ist es egal ob die Naht jetzt authentisch von Hand genäht wurde oder ob ich da meine Maschine habe rattern lassen. 

Der Markt kam, das Kleid war soweit fertig, aber es gab da doch ein paar kleine Handarbeiten die gemacht werden sollten. Ich habe das zwar dort angefangen, in den ruhigen Minuten am Infostand. Nur wurde ich am zweiten Abend an die Kasse versetzt und da war mehr los. Also Markt mit neuem Unterkleid aber alten Überkleid. Immerhin geht das von Hand nähen bei schönem Wetter draussen auf der Terrasse, die Katze findet den Stoff auch toll und “hilft”

Nestellöcher basteln: Ich habe den Zeitaufwand dafür völlig unterschätzt. Ich brauche pro Loch ca 10-15 Minuten je nach Ablenkung durch Kinder und Katze. Und dann ist das noch nicht mal schön. 

Und es waren 42 Löcher. Jetzt könnt ihr also – wenn ihr wollt – nachrechnen, wie lange ich dafür dann doch noch gebraucht habe. 

Der letzte Schritt waren dann die Kordeln. Die habe ich dann noch “schnell” fingergeflochten, nicht dass das im ersten Anlauf geklappt hätte, denn die Kordel war erstmal zu dick für meine feinen Nestellöcher. Also Faden gespaltet, nochmal von vorne und dann gedacht, dass ich die kürzeren Kordeln für die Ärmel in die Vorderseite gemacht hatte um dann festzustellen, dass es doch richtig war. Die Katze “hilft” wieder. Aber jetzt. Fertig!

Unterkleid und Kleid warten auf ihren Einsatz. 

Ich bin noch immer nicht wirklich fotogen. Lass mich bitte hinter der Kamera. 

Na gut, mit Katze geht es dann doch. 

#wmdedgt im Juni 2018

Frau Brüllen will es wie jeden 5. wissen. Was machen wir so den ganzen Tag?

Zur Zeit sind meine Tage ziemlich ereignislos. Immerhin habe ich es gestern Abend geschafft die Schwimmsachen vom Frühlingskind schon mal an die Tür zu hängen. War auch gut so. Denn

Ich werde in der Früh erstmal zu spät wach. Das ist nicht wirklich tragisch, weil siehe oben. Und es ist quasi die halbe Stunde, die ich normalerweise am liebsten alleine bin, bevor ich die Kinder wecke. Aber nachdem E. ihren Morgen momentan nach hinten verschoben hat, bin ich eh nicht alleine. Auf Instagram erfahre ich dann, dass Shadowhunters abgesetzt wird und ich klebe erstmal an Twitter. Viel zu kurz, zumindest das Frühlingskind muss ja jetzt aufstehen, damit es dann auch rechtzeitig in den Kindergarten kommt. Es ist zwar wach bleibt aber noch liegen und weckt dann mit Rumgehampel auch das Herbstkind. Auch gut. Frühstück für die Kinder, Znüni packen, Frühlingskind aus dem Haus komplimentieren. 

Dann Anziehen, feststellen, dass meine Haare irgendwie Vogelnestcharakter haben und wegstecken. Ich räumel noch ein bisschen rum und dann ist auch schon wieder Zeit zur Schule zu gehen um am Eltern-Kind-Turnen mitzumachen. Das Herbstkind fährt fleissig mit dem Laufrad los und stellt es auch ordnungsgemäss ab. Ich sollte mir wohl so langsam angewöhnen eher einen Rucksack mitzunehmen, weil die Umhängetasche behindert mich eher beim laufen und ich muss jetzt immer öfter rennen um mit dem Herbstkind mitzuhalten. 

Wir hüpfen und rennen fleissig durch die Turnhalle und dann geht es auch nach einem kleinen Snack wieder nach Hause. 

Beim Mittagessen habe ich erst zwei Dinosaurier die rumbrüllen, ich brülle mit und mache mir dann Gedanken darüber, ob Dinosaurier überhaupt gebrüllt haben, wenn sie doch die Vorfahren von Vögeln waren und ob es dann eher zwitschernde Velociraptoren waren. 

Auch beim Essen erzählt mir das Frühlingskind in welcher Umkleide es beim Schwimmen war, und dass es dort einen abgetrennten Bereich (Mit Bank!) gab, wo es sich umziehen durfte. 

 

Nach dem Essen setzte ich mich draussen hin um mich der meditativen Aufgabe der Nestellöchergestaltung hinzugeben. 

Nicht sehr meditativ, wenn es noch immer Dinosaurier hat, die um mich herum brüllen. Oder Leoparden, die mich auffressen wollen, oder Friseure, die meine mühsam hochgesteckten Haare wieder auseinander fieseln um sie kämmen zu dürfen. Bei Vogelnest heute nicht wirklich die einfachste Aufgabe. Auch wollen die Kinder auch nähen und bekommen jeweils ein Stück Stoff, Nähnadeln und Garn. 

Das Frühlingskind entdeckt in der Küche den zum Trocknen aufgehängten Liebstöckel und darf den in das Vorratsglas zerbröseln. 

 

Am Abend habe ich dann doch ein paar Nestellöcher geschafft. Das Frühlingskind zerdeppert mir kurz bevor ich los muss und natürlich auch bevor E. (die mit dem Fahrrad noch an eine Strassensperre für Schiessübungen geraten ist) zu hause ist, noch ein Glas mit Apfelsaft. Immerhin in der Küche, so dass der Boden schnell frei ist, um noch zu kehren und zu saugwischen. 

Dann ist auch E. da. Ich räume noch kurz draussen auf, weil sich Regen ankündigt und es geht ab zum Chor. Wir proben das “Sanctus” und alle verschiedenen “Dies Irae” (YT- nicht wir) Stellen aus Verdis Requiem. Ich freue mich schon jetzt auf das Konzert im Oktober.  

Wieder zu Hause bekomme ich statt der vom Frühlingskind angekündigten aufgeräumten Wohnung das grosse Chaos. Das Körbchen mit den einzelnen Socken und noch einige Tücher und die Sofapolster liegen am Boden. Ah well. Erstmal bloggen. Das Zeug liegt morgen auch noch da. 

Montagsherz

Und wieder mal ein später Start in die Woche für die Montagsherzaktion von Frau Waldspecht. Immerhin mal wieder auf dem Blog und nicht nur auf Instagram.

Ich hoffe ihr hattet einen guten Start in die Woche. 

Hier eine kleine Verzierung an den Gemüsetöpfen in der KiTa. 

queer: Kindergartengespräch Nachtrag

 

“Für Sie ist das Ihr Leben” 

So sagte mir die Schulleiterin bei einem Telefonat am Dienstag nach dem Elterngespräch im Kindergarten. 

Und sie hat wohl recht. Für uns ist das Thema “Trans” sehr präsent, wir setzen uns täglich damit auseinander. Eltern, deren Kinder mit unserem in den Kindergarten gehen, haben vielleicht mal davon gehört, dass es das gibt, dank inzwischen doch immer öfter vorkommender Medienpräsenz, aber da es für sie nicht relevant ist, ist es eben nicht in ihrem Leben verankert, wie es das bei uns ist. 

So hat sich die Schulleiterin doch entschieden den Eltern mehr Information zukommen zu lassen als die schlichte Namensänderung auf der Telefonliste, die wir uns eigentlich gewünscht hatten. Es gab also zum Quintalsbrief der Kindergärternin in der die kommenden Termine und die kurze Erklärung zur beigelegten neuen Telefonliste genannt wurden noch einen extra Brief von der Schulleiterin. Dazu hat sie noch den Flyer vom TGNS dazu gelegt und den Artikel “Lukas ist jetzt Lea. Fertig Schluss!” (ja leider mit Deadnaming*, aber sonst gut) aus dem Elternmagazin Fritzi und Fränzi, der praktischerweise im März erschienen war. 

Auch die Schulergänzende Betreuung wurde von der Schulleitung informiert und hat sich auch entschieden, den anderen Eltern Informationen zukommen zu lassen. Da habe ich noch nicht nachgefragt, was es genau war, aber ich vermute, dass auch hier der Flyer zum Einsatz kam. 
Auch dort wurden alle Namensmarkierungen ausgetauscht und die Kinder haben auch mitgeschaut um auch keine zu vergessen. 

Und das Frühlingskind? Das ist laut Betreuung (mit denen spreche ich zumindest kurz beim Abholen) offener und spricht mehr. Und die Bauchschmerzen, die es öfter in der Betreuung hatte, waren jetzt auch erstmal nicht da. 

 

 

*noch kurz Begriffserklärung “Deadnaming”: Das ist wenn der alte Name verwendet wird. Viele Transmenschen wollen ihren alten Namen nicht mehr hören oder lesen, weil sie sich auch nicht (mehr) damit identifizieren. Es ist also auch unhöflich nach dem alten (oder gar “richtigen”) Namen zu fragen. 

queer: Kindergartengespräch

Vorgestern Abend hatten wir also das Gespräch mit der Erzieherin vom Kindergarten. 

Das Frühlingskind hatte wohl recht selbstbewusst schon im Kindergarten erzählt, dass sein Name jetzt anders ist. Die Kindergärtnerin hat dann erstmal entschieden beim alten Namen zu bleiben bis es geklärt ist und so gingen die anderen Kinder mit der Info in die Ferien. Das war etwas ungeschickt. Zum Glück hatte ich den ersten Tag nach den Ferien eh die Geburtstagsfeier vom Frühlingskind im Kindergarten und wir sind quasi mehr oder weniger gleichzeitig auf einander zugegangen, da geredet werden musste und das möglichst bald. 

Nun ist der Kindergarten hier Teil des Schulsystems und entsprechend ist das nicht mal mit “wir sprechen morgen drüber” getan, sondern es musste ein Termin gefunden werden, damit auch die Schulleiterin und die IF-Person dazugezogen werden können (IF ist Integrative Förderung und die Person eine Heilpädagogin). Wir haben dann von unserer Seite auch eine Fachperson (Kinder-und Jugendpsychiaterin) hinzugezogen. Aber es hat recht gut geklappt und so sassen wir also gestern zu sechst auf den winzigen Stühlen im Kindergarten herum und sprachen über unser Kind. 

Die Schulseite hat sich sehr offen gezeigt. Im Vorfeld hatte sich die Schulleiterin wohl auch schon mit dem TGNS in Verbindung gesetzt und auf Empfehlung auch das Buch “Wenn Kinder anders fühlen” bestellt. 

Gleich zum Anfang haben wir erstmal erklärt, dass wir nur mit richtigen Namen und richtigen Pronomina über unser Kind sprechen wollen und das wurde auch sofort und nahezu durchgehend eingehalten. 

Für die Lehrpersonen war die Äusserung dass unser Kind jetzt anders heisst wohl aus “heiterem Himmel” gekommen, wobei die Gruppenleiterin mir gegenüber aber auch schon gesagt hatte, dass es wohl doch nicht ganz so unlogisch war, weil sie am Anfang unser Kind ja auch als Junge gelesen hatte und den Kindern auch das Gegenteil erklärt hatte. Sie fühlte sich dann auch unwohl dass sie am alten Namen festgehalten hatte. Auch war die Art, wie das Frühlingskind das Statement gemacht hat für sie deutlich erkennbar als mehr als ein Rollenspiel in dem die Kinder sich ausprobieren.

Im Endeffekt hat sich das Gespräch dann in 4 Ebenen aufgeteilt:

  1. Allgemein über Transidentität und wie es sich beim Frühlingskind geäussert hat und wie es zum neuen Namen kam
  2. Massnahmen und Handlungsmöglichkeiten die direkt das Frühlingskind und die Kinder im Kindergarten betreffen
  3. Die Eltern der anderen Kinder im Kindergarten
  4. Die Schulbehördliche Ebene 

Für Ebene 2 haben wir beschlossen, dass die ganze Sache mit der grösstmöglichen Selbstverständlichkeit angegangen wird. Der Name auf dem Stuhl an der Garderobe und wo auch immer er auftaucht (Beschriftung von Bildern etc.) wird auf den neuen Namen angepasst. Das Frühlingksind wird einfach mit dem richtigen Namen angesprochen und hat das Recht, die anderen Kinder auf den falschen Namen hin zu korrigieren. Grosses Thematisieren in der Gruppe erst bei Bedarf mit Büchern (Teddy Tilly zB) oder ähnliches. Bei Fragen an die Lehrperson sind “das weiss ich nicht” und “ja das ist jetzt so” valide Antworten oder auch gerne “wie siehst du das denn?” oder “Frag doch das Frühlingskind selbst einmal” sind Optionen. 

Und natürlich kam das Thema Umkleide/WC auf. Das WC ist im Kindergarten noch nicht getrennt und daher erst in einem Jahr Thema. Aber die Kinder haben bereits Schwimmunterricht. Dort wird die Kindergärtnerin erstmal abwarten was passiert und das Frühlingskind darf sich aussuchen welche Umkleide es nutzen will. (ich bin sehr gespannt). Für den Sportunterricht gilt dann das gleiche. 

Für die Eltern (und evtl auch andere Lehrpersonen) gibt es eine neue Telefonliste mit richtigen Namen und den entsprechenden kurzen Hinweis, dass sich da ein Name geändert hat. Die Kindergärtnerin wird von uns mit Broschüren zum Thema Trans ausgerüstet, falls Eltern daran Bedarf haben. Auch haben wir als Eltern angeboten, dass sie an uns direkt verweisen kann. Wir wollen möglichst vermeiden, dass hintenrum gefragt wird und ein Flüsterpost-Effekt erzielt wird, wenn mit Halbwissen und Halbwahrheiten gehandelt wird. 

Auf der schulbehördlichen Ebene gibt es ziemlich viele Interna von denen wir keine Ahnung haben. Klassenlisten etc. Da ist es auch so, dass die Informationen von der Einwohnerbehörde kommen und dort und im Pass etc. ja ein anderer Name steht. Die Psychiaterin meinte aber, dass es da viele Möglichkeiten gibt, dennoch den neuen Namen zu verwenden (Zeugnisse, und so) und verwies an die Rechtsberatung vom TGNS. Auch weitere Personen wie Busfahrer_in und die schulergänzende Betreuung müssen informiert werden. 

Alles in Allem war es ein gutes Gespräch. Die Umsetzung wird sicherlich ein ziemlicher Prozess werden, bei dem sicher wieder Fragen auftauchen werden und es eventuell Sackgassen geben wird. Dies ist auch jetzt erstmal “unser” Weg, für andere Eltern mit anderen Kindern mag das nicht optimal sein. Eine weitere Absprache war dann auch, dass offen kommuniziert wird und wir immer einbezogen werden. 

Aber der erste Schritt ist getan, die Erzieherin hat gestern morgen unser Kind mit richtigen Namen begrüsst. 

Montagsherz

Wir haben hier im Ort ein paar Häuser, die immer sehr schöne Deko draussen haben. Bei manchen wechselt das zwischendrin auch. Und so finde ich dort auch immer mal wieder neue Herzen für Frau Waldspecht

Ich wünsche eine gute Woche.

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