Queer: Die Sache mit den Namen und Pronomen

Queer: Die Sache mit den Namen und Pronomen

Vor Weihnachten mache ich für ganz viele in meiner Familie Foto-Kalender. Dieses Jahr machte ich noch einen weiteren bei einem anderen Anbieter. 
Da ich das hier aus der Schweiz mache lasse ich die Kalender dann direkt zu den Beschenkten schicken. 

Der für mich neue Anbieter fragte also nach der Lieferadresse. Dort gab ich die Adresse und entsprechend auch den Namen meiner Mutter ein, die in diesem Fall das Geschenk erhalten sollte. Als Rechnungsadresse gab ich meinen eigenen Namen und meine Adresse an. Ab diesen Moment führte mich die Seite unter dem Namen meiner Mutter. Ich bekam also Bestätigungsmails an Frau [Vor- und Nachname meiner Mutter]. Meine Mutter hat natürlich einen anderen Namen als ich. Wäre es ein schlichtes Frau [Nachname] wäre es noch nah an meinem alten Namen, aber auch das wäre nicht mehr richtig, habe ich doch mit der Heirat den Nachnamen meiner Frau angenommen. Jetzt bekomme ich also von diesem Anbieter ständig E-Mails an den Namen meiner Mutter und …

Das fühlt sich falsch an! Ich bin nicht meine Mutter und ich identifiziere mich nicht mit dem Namen. Wie würde es mir gehen, wenn es dann auch noch ein Männername wäre, weil ich die Post an jemanden geschickt hätte, der einen männlichen Vornamen hätte? Wie würde es euch gehen, wenn euch das passieren würde? 

Und wie würde es euch gehen, wenn ihr aufgrund von eurer Identität einen neuen Namen gewählt hättet und noch immer mit dem alten angesprochen werdet?

So geht es dem Frühlingskind:

Wir hatten ein Event gefunden an dem wir beide teilnehmen wollten, waren aber zu knausrig um für die Zeit eine Kindersitterin zu bezahlen und spontan die Schwiegereltern gefragt. 

Als ich den Kindern erzählte, dass Opa und Oma kommen, meinte das Frühlingskind: “ich will nicht, dass die kommen, Opa nennt mich immer noch [alter Name]”

Autsch. Anscheinend ist der alte Name jetzt definitiv der falsche und das Kind stört sich daran.

Das Frühlingskind hat erfahren, dass alle dachten, dass es ein Mädchen ist, weil es einen Mädchennamen hatte. Weil es sich selbst nicht als Mädchen identifiziert, ist der Name damit negativ konnotiert. Nennt es jemand mit dem alten Namen, weiss es, dass es als Mädchen identifiziert wird und wehrt sich entsprechend dagegen. 

Die Pronomen waren dem Kind zu dem Zeitpunkt relativ egal. Das Nachbarskind, das männlich identifiziert, ist sein bester Kumpel und bekam von meinem Kind auch fröhlich weibliche Pronomen. Da ich das Deutsche nicht korrigiere, korrigierte ich auch das nicht, benutze aber im Niederländischen die männlichen Pronomen. Dem Nachbarskind ist es auch erstmal egal. Bisher. 

Inzwischen kennt das Kind auch die Pronomen und wenn das Herbstkind es falsch macht, korrigiert das Frühlingskind es. Ihm ist es jetzt auch wichtig, dass die richtigen Pronomen auf es verweisen. 

 

Wie geht es euch denn, wenn ihr trotz darauf Hinweisen mit dem falschen Namen angesprochen werdet? Klar, man entwickelt eine gewisse Resilienz, aber freut ihr euch nicht auch, wenn jemand es dann richtig macht? Wie sehr nervt es, wenn ihr mit “Herr” statt “Frau” angesprochen werdet? (und das frage ich die cis Menschen, den für trans Menschen ist das viel häufiger und entsprechend lästiger und auch schmerzhafter). 

Auch wenn es euch nicht stört, ihr es nicht so schlimm findet, bedenkt, dass es für andere eben schon schlimm ist. 

 

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