queer: genäht: TransDayofVisibility

queer: genäht: TransDayofVisibility

CN: ziemlich viele Privilegien

Ich habe es natürlich nicht mehr an den Rechner geschafft, bevor mein Hirn auf “OK, Serie gucken und vielleicht dabei Wäsche falten geht noch” geschaltet hatte. Dank Zeitumstellung hatte ich hier bis um 22:15 ein Kind rumgeistern. Nicht die beste Voraussetzung zum Bloggen.

Aber gut *hust*. Am Sonntag vor einer Woche war TransDayOfVisibility. Und während ich als cis Frau wohl eigentlich nicht wirklich was sagen darf möchte ich dennoch. Denn in unserer Familie bin ich die, die für die Sichtbarkeit sorgt. Mir ist es wichtig, dass trans Menschen sichtbar sind. Mir ist es aber auch wichtig, dass sie geschützt sein können. Und so bin ich online quasi der Puffer für meine Familienmitglieder. Aber heute zeige ich euch E. (und ja, wenn ihr das sehen könnt, hat sie ihre Zustimmung gegeben- äh ja, hat ne Weile gedauert)

Ich habe ein Shirt für sie genäht. Den Stoff mit den Formeln hatte sie in Deventer im Stoffladen gefunden. Und sie wollte etwas mit tiefem Ausschnitt. Ich glaub, da gibt es noch Potential 😉

Insgesamt haben meine beiden trans Menschen viel Glück. So haben sie eine Familie, die sie unterstützt. Menschen, die sich ihrer internalisierten Transfeindlichkeit stellen und sich bessern. Das ist noch lange nicht überall der Fall. Es gibt viele, die den Kontakt zu den Eltern abgebrochen haben, oder wenn sie noch Kontakt haben, mit ihrem alten Namen und Pronomen konfrontiert werden.

In E.s Fall ist es auch so, dass sie (mMn) ein gutes Passing hat. Das heisst, dass sie auf der Strasse durch die meisten Menschen als cis Frau gelesen wird. Beim Kind ist es noch kein Thema. Frisur Kleidung(sfarbe) und zack ist das Kind in einer der (zwei möglichen…) Schubladen.

Auch haben wir das Glück in einer finanziellen Situation zu sein, die Behandlungen, die nicht direkt von der Krankenkasse bezahlt werden selbst stemmen zu können. Das hat auch viel damit zu tun, dass E. einen Arbeitgeber hatte, der sie in ihrer Transition voll unterstützt hat und auch im neuen Job keine nennenswerte Probleme vorhanden sind – (schrieb sie, um dann am Abend die Frau aufzufangen, weil sie an dem Tag bei einem Kundentermin von vier verschiedenen Personen misgendert wurde). Bei anderen Firmen wird das noch ganz anders gehandhabt und trans Menschen gar nicht erst eingestellt oder nach dem Outing gekündigt. In der Schweiz sind rund 20% der trans Menschen im erwerbsfähigen Alter arbeitslos.

Dazu kommen noch die Privilegien, die auch für cis Menschen zutreffend sind. Weiss sein, in einem demokratischen Land leben etc. Alles Dinge, die die Situation vereinfachen.

Ja, ich hatte angefangen hier über das Thema trans zu schreiben, weil ich auch positive Geschichten sichtbar machen möchte. Aber ich möchte damit natürlich nicht die negativen Ausblenden. Auch diese sollten sichtbar sein.

Dazu kommt, dass viele sich eher trauen mich anzusprechen als meine Frau direkt. Aber ich denke das ist falsch. Jetzt is E. eben nicht so öffentlich damit, aber es gibt andere. Folgt denen auf Twitter, lest ihre Blogs, lest über ihre Sorgen und über ihre Art des Familienlebens. Lest es direkt, ohne den cis Zwischenschritt von den Medien.
Und wenn ihr denkt, ja aber das ist doch selbstverständlich, dass man sie unterstützt und seine Kinder nicht alleine lässt. Dann lest euch die Kommentare zu deren Tweets durch. Und bedenkt, dass es oft egal ist, wie viele positive Rückmeldungen man bekommt, die eine transfeindliche, gemeine, die sticht 1000x mehr als alle anderen aufheben können.

Und seht euch die Bilder an. Bis es für euch normal ist. So wie es ‘damals’ eine Weile gebraucht hat, bis man sich an das Bild von Frauen in Hosen gewöhnt hat, so braucht es evtl auch eine Weile bis das Bild von Menschen, die nicht dem momentanen Medienbild, oder den eigenen Idealen und Vorstellungen von Geschlechtsausdruck entspricht ‘normal’ wird.


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